DAS BESTE AN WENIGER ARBEITEN IST: …

DAS BESTE AN WENIGER ARBEITEN IST:

NA KLAR WENIGER ZU ARBEITEN!!! JUCHHEEEEE!!!

Was für ein Glück, das mein Arbeitgeber mir die Chance gegeben hat, für ein Jahr meine Vollzeitstelle auf 24 Stunden zu reduzieren. Das war nicht einfach, das durch zu kriegen. Ich bekam auch einiges an Unverständnis und Ärger zu merken. Wie konnte ich nur, die Klinik im Stich lassen! Denn als Therapeutin wurden meine übrigen Stunden nicht erneut ausgeschrieben, um das entstandene Loch zu füllen.

Sätze wie: „Das ist jetzt doch ein Scherz! Du verarscht mich doch! Das kannst Du doch nicht machen! So viele kündigen und dann reduzierst Du auch noch Deine Stunden! Unmöglich!“ waren nicht immer einfach zu schlucken.

Ich versuche dann zu relativieren: Kollegen sind überarbeitet und frustriert. In der Psychiatrie wird das Geld leider knapp und es wird gespart an allen Ecken und Enden. Die Krankenkassen wollen leider: Masse statt Klasse und na klar Patient X muss natürlich so schnell wie möglich wieder an den Arbeitsplatz zurück. Da kann schon Mal Wut auf kommen und wer dann, wie ich, gegen den Strom schwimmt, kriegt Ärger!

Ich reduziere um mir Luft zu verschaffen. Um einen klaren Kopf zu bekommen. Was möchte ich mit meinem weiteren Leben anfangen? Was ist mir wichtig? Meine Arbeit macht mir sehr viel Spaß, der Kontakt mit Patienten und Kollegen bereichert mich. Nur der Druck wird immer höher und die Überarbeitung und oftmals leider schlechte Laune meiner Kollegen bedrückt mich.

„Wie kannst Du nur von so wenig Geld leben? Das würde ich nie schaffen!“

Solche Sätze lösen in mir eine große Dankbarkeit aus, denn OHNE den Minimalismus hätte ich das nie und nimmer gekonnt. Es wäre schlicht und einfach nicht möglich gewesen. Mein minimalistisches Leben ermöglicht mir eine Pause. Eine Zeit des Nachdenkens und des Reflektierens.

Zu erklären, dass ich es machen kann weil:

  • wir in einer kleinen Wohnung wohnen
  • wenig besitzen und wenig kaufen
  • keinen Fernseher haben
  • meistens vegetarisch oder vegan essen
  • keine Smartphones besitzen
  • Fahrrad fahren
  • und oh ja kein Auto besitzen

macht oftmals keinen Sinn, da wir ganz deutlich so außerhalb der Norm leben und Kollegen diesen Lebensstil als utopisch, nicht praktikabel oder schlicht und einfach als verrückt ansehen.

Seit drei Monaten lebe ich in diesem Zeitgenuss. Oft freue ich mich einfach total, dass ich nicht zum arbeiten gehen muss! Nehme mir besonders viel Zeit zum Frühstücken, sitze im Schaukelstuhl und schaue aus dem Fenster, höre Musik oder lese ein Buch.

Ich merke allerdings auch, das die viele Zeit mich manchmal überfordert. Arbeit bedeutet eine geregelte Tagesstruktur. Mehr freie Zeit bedeutet selber etwas mit meinem Leben zu tun. Vor allem wenn es schlechtes Wetter und wenig zu erleben ist, dann denke ich manchmal: „Also wirklich Du blöder Regen, Wind und dunkle Wolken könnt ihr Euch nicht Mal verkrümeln? Da könnte ich doch wirklich besser zum arbeiten gehen! Grrrr!“

Leider konnte mein Mann seine Stunden nicht reduzieren und er muss meistens am Samstag arbeiten und ist im Schichtdienst. Das bedeutet das wir trotz meiner geringen Stundenzahl wenig Zeit miteinander verbringen können. Das ist wirklich schade. Aber es ist wie es ist.

Heute ist ein wunderschöner Tag, die Sonne scheint und die Natur ist umwerfend. Ich bin einfach mit Glück im Herzen in die Straßenbahn gestiegen und bin ohne Planung los gefahren. Ich habe mich mit einem Blinden unterhalten, mit zwei Bayern, mit einer Seniorenstudentin und wurde unerwarteter Weise auf dem Marktplatz von einem Kamera Team über das Thema „Internetbewertungen“ befragt.

Dann dachte ich, Heute bin ich Tourist in meiner Stadt, ich bin spontan mit einem Rundfahrtboot gefahren und war bei meinem Lieblingsveganer essen. Ein durch und durch toller Tag. Klar hat er Geld gekostet. Aber er hat mir viele schöne Erinnerungen beschert.

Das war soooooooooooooooo viel besser wie arbeiten!!!

Welch ein Glück das ich mir das leisten kann!

Oh ja, ich liege auch unglaublich gerne unter einem Baum, picknicke und schaue mir die Wolken an, lese mein Buch und trinke meinen Kaffee. Das ist dann natürlich super günstig!

6 Gedanken zu “DAS BESTE AN WENIGER ARBEITEN IST: …

  1. Alexandra sagt:

    Ich finde das prima, wenn man die Möglichkeit hat und wenn es dann auch finanziell passt. Leider sind ja viele Stellen soooo schlecht bezahlt, dass man Vollzeit arbeiten muss um wirklich nur das wesentlich bezahlen zu können. Denen es besser geht, die mehr verdienen und die Möglichkeit haben, tolle Sache. Ich denke die Kollegen sind bloss neidisch. Im Grunde würden sie das auch gerne machen, aber dann auf Auto, Urlaub etc. „verzichten“ wollen sie dann auch nicht. Oft ist man aber auch wirklich gefangen und kann die Situation nicht ändern. Ich kenne einige vor allem ältere Menschen, die haben ein großes Haus, Garten, Auto, die Kinder aus dem Haus, die auch keine Lust haben, das große Haus zu putzen, zu unterhalten, zu pflegen, aber es ist schwierig ältere Häuser zu verkaufen, vermieten ist oft wegen der Raumaufteilung nicht möglich. Manchmal denke ich viel wollen es nicht wirklich. Von daher genieß es.

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  2. Anna-Sophie sagt:

    Liebe Maren,

    ewig habe ich nicht mehr hier vorbei geschaut. Dieser Post ist der erste, den ich lese und ich freue mich sehr, dass du diesen Schritt gewagt hast und damit (auf Zeit) zufrieden bist.

    Ich genieße den Luxus flexibler Zeit als Studentin momentan auch und weiß diesen sehr zu schätzen. Arbeit ist für mich kein Zwang, sondern (oft) Selbstverwirklichung und ich bin sehr happy, dass ich die Möglichkeit habe, auf meinen Traumjob hinzuarbeiten. Ein 9-to-5-Job mit 40 Stunden Woche wird mich nie erfüllen, das weiß ich. Deshalb werde ich früher oder später ins Freelancer-Meer aka Haifischbecken springen. Dafür kann ich mir meine Arbeitszeiten dann selbst einteilen und arbeiten, wenn ich am kreativsten und produktivsten bin. Freiheit muss man sich erkämpfen.

    Deine temporäre Stundenreduzierung trotz Gegenwind finde ich mutig und deine positive Energie und Lebensfreude lese ich in diesem Post in jedem Satz.

    Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse und Gedanken du hier noch teilen wirst. Ein Besuch auf deinem Blog lohnt sich einfach immer.

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  3. Finnjas Welt sagt:

    Hej!
    ich studiere momentan und weiß, dass wenn ich meinen Bachelor & Master-Abschluss habe, wohl auch recht gut verdienen werde. Allerdings ziehe ich jetzt schon Vorraus in Betracht, keine normale volle 36-40 Stunden Woche zu machen. Ich könnte definitiv mit weniger Geld zurecht kommen. Zumindest kann ich das jetzt ja auch und es gibt einiges, an dem man viel sparen kann.
    Mal schauen, was diese Zeit (die noch ein bisschen hin ist) bringen wird und wie ich mich letzten Endes entscheiden werden.
    Liebe Grüße, Finnja (:

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